Urban Gardening – Großstädte blühen auf

14 Apr, 2014

Pflanzen, Säen, Ernten. Urban Gardening boomt in deutschen Großstädten. Die Sehnsucht vieler Städter nach Natur und gesunden Lebensmitteln, hat in den letzten Jahren weltweit einen Trend ausgelöst. Beim Urban Gardening geht es vor allem um die Schaffung von mehr Lebensqualität in Großstädten. Ob Dächer, Grünstreifen, Hinterhöfe oder sogar Mauern, brachliegende Flächen werden zu blühenden Gärten oder Gemüsebeeten umgewandelt. Den Initiatoren von Urban Gardening geht es dabei, neben der Verschönerung des Stadtbilds, um die Herstellung eines neuen Gemeinschaftsgefühls und um eine wachsende Selbstversorgung.

Angefangen vom Isolationsgefühl vieler Großstädter und mangelnden Erholungsorten in der Großstadt, hin zu zunehmenden Umweltproblemen und Ernährungskrisen. Urban Gardening ist eine Bewegung, die als Reaktion, auf die wachsenden Herausforderungen und Probleme, die eine globalisierte Welt mit sich bringt, verstanden werden kann.

Entwicklung des Urban Gardening

Urban Gardening Bepflanzung

Den Betreibern von Urban Gardening geht es auch um eine wachsende Selbstversorgung (c) Dana Kaule / pixelio.de

Schon während des Zweiten Weltkriegs, wurde städtische Landwirtschaft thematisiert. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, jede frei verfügbare Fläche für den Anbau von Gemüse zu nutzen, da die Transportmöglichkeiten begrenzt waren und Transportkosten reduziert werden sollten.

Die moderne Form des Urban Gardening hat jedoch seinen Ursprung im New York der 70er Jahre. Bürger der Stadt entschieden sich, gegen den Verfall der Stadt um sie herum, anzugehen. Sie wollten Orte schaffen, in denen Stadtkinder mit der Natur in Berührung kommen und ältere Leute einen Platz zur Erholung finden konnten. Ganz allgemein sollten Problemviertel, durch die gemeinschaftliche Arbeit der Anwohner, stabilisiert werden. Inzwischen gibt es in New York um die 700 der sogenannten „Community Gardens“, die gemeinschaftlich von Nachbarschaftsinitiativen bewirtschaftet werden. Damit verbindet Urban Gardening kulturelle, soziale, ökologische und stadtgestalterische Aspekte.

Verschiedene Formen des Urban Gardening

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Formen des Urban Gardening.

Urban Gardening wird immer beliebter

In vielen Städten gibt es inzwischen gemeinnützige Gartenprojekte (c) Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

  • Gemeinschaftsgarten (Community Garden): Dies bezeichnet Gärten, die von einem kollektiv betrieben werden. Die Gärten sind häufig öffentlich zugänglich. Träger der Gemeinschaftsgärten sind sehr unterschiedlich, u.a. politische Gruppen, Nachbarn, Schulen und Kirchen.

  • Interkulturelle Gärten: Dies sind ebenfalls Gemeinschaftsgärten, in denen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen gärtnern und Gemüse und Obst anbauen.

  • Guerilla Gardening: ist die ursprünglichste Form des Urban Gardening. Hierbei geht es um die heimliche Bepflanzung von Flächen im öffentlichen Raum, als Form des politischen Protests oder ökologischen Anliegens. Die Guerilla Gärtner sind mit kreativen Mitteln in der Stadt unterwegs, um mit geringen finanziellen Mitteln, in das Stadtbild einzugreifen und es zu verschönern. Die Ideen sind häufig kreativ und originell. Alles was bepflanzt werden kann wird bepflanzt. Von Verkehrsinseln und Seitenstreifen, über brachliegende Grundstücke und kleinen Lücken im Asphalt.

  • Gemeinschaftsdachgarten: Die Gemeinschaftsdachgärten bieten einen attraktiven sozialen Treffpunkt für die Bewohner des Hauses. Somit steigern sie die Lebens- und Wohnqualität und fördern das Gemeinschaftsgefühl.

Beispiele für Urban Gardening

Kuba

Urban Gardening ist mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet. So wie beispielsweise auch auf Kuba. Bevor der Ostblock zusammenbrach, hatte Kuba eine exportorientierte Landwirtschaft. Exportiert wurden Zucker und Zitrusfrüchte, die die sozialistischen Handelspartner gegen u.a. Erdöl, Lebensmittel und Medikamente eintauschten. Anfang der Neunziger musste nun Kuba auf die eigene Landwirtschaft setzen. Unterstützt von der Regierung unter Fidel Castro, entstanden tausende organische Gärten und in Havanna wurde eine Behörde für Urbane Landwirtschaft gegründet.

Detroit

In der einstigen Industriestadt Detroit, in der früher die Autoindustrie der wichtigste Wirtschaftsfaktor war, gibt es heute zahlreiche gemeinnützige Gartenprojekte. Mit dem Verfall der Stadt, schwanden auch die Supermärkte und damit die Möglichkeit Lebensmittel zukaufen. Inzwischen gibt es hier stolze 1.234 private und gemeinnützige Gärten, die den Bewohner nicht nur Essen liefern, sondern auch die Stadt verschönern und wieder lebenswerter machen.

Berlin

Urban Gardening Sonnenblume

Blumen verschönern das Stadtbild (c) Angelika Wolter / pixelio.de

In Berlin Friedrichshain entstand durch eine nachbarschaftliche Initiative 2004 der “Rosa Rose e.V.”. Hierbei wurden brachliegende Grundstücke zu einem Nachbarschaftsgarten umgewandelt. Der Garten ist für alle offen und bietet Passanten die Gelegenheit Ruhe zu finden und die Sonne zu genießen. Auf einer anderen Brachfläche in Berlin Kreuzberg entstand mit den „Prinzessinnengärten“ ein mobiler Garten, auf dem ökologischer Anbau betrieben wird. Die Behälter für die Pflanzen werden aus dem Lebensmittelbereich entnommen, wie z.B. Tetra-Paks und recycelte Container und Kisten. So ist der Garten mobil und jederzeit für einen Umzug bereit.

New York

Eines der jüngsten, wohl bekanntesten und erfolgreichsten Großprojekte des Urban Gardening, ist der „High Line Park“ in New York. Hier wurde eine alte stillgelegte Hochbahntrasse in Manhattan zu einer Parkanlage umgebaut. Im Sommer 2009 wurde der erste Abschnitt eröffnet. 70% der Baukosten wurden durch Spenden aufgebracht bzw. werden noch aufgebracht, da das Projekt noch nicht abgeschlossen ist. Der High Line Park findet großen Anklang bei New Yorkern und Touristen.

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