Kündigung 2.0: Outplacement – die sozialverträgliche Lösung

11 Dez, 2017

Ein Arbeitgeber kündigt einen Mitarbeiter, will ihn aber nicht alleine lassen mit den Folgen der Entlassung. Die Lösung: Outplacement (synonym wird auch gern der Begriff „Newplacement“ verwendet). Nie gehört? Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel zu den Themen: Was ist Outplacement, wie funktioniert eine Outplacementberatung, was kostet sie und wer bezahlt das Ganze?

Schriftzug "Outplacement"

Kündigung 2.0: Outplacement soll Entlassenen eine sozialverträgliche Perspektive bieten © istock/Mazirama

Die „Definition“ von Outplacement

Dazu liefern Online-Enzyklopädien wie die Wikipedia folgende Definition:

Die Begriffe Outplacement (engl.) bzw. Außenvermittlung bezeichnen eine von Unternehmen finanzierte Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter (Betroffener), die als professionelle Hilfe zur beruflichen Neuorientierung angeboten wird, bis hin zum Abschluss eines neuen Vertrages oder einer Existenzgründung.

Es handelt sich also um ein Trennungsmanagement, in dem der zu entlassene Mitarbeiter als Klient von einem Dritten betreut wird, um ihn so schnell wie möglich wieder in eine Tätigkeit zu bringen und somit die berufliche Situation wieder mit einer Perspektive auszustatten.

Und warum das Ganze?

Der Dienstleistung einer Outplacementberatung soll eine Win-Win-Situation schaffen:

  • Auf der einen Seite ist da der Entlassene, für den eine sozialverträgliche Lösung herbeigeführt werden soll. Durch das Outplacement erhält er Unterstützung im gesamten Bewerbungsprozess – an dessen Ende steht (hoffentlich) ein neues Arbeitsverhältnis.
  • Auf der anderen Seite profitiert der Arbeitgeber von einem Outplacement, denn er präsentiert sich – speziell auch für die eigene Belegschaft – als Unternehmen, das sich um seine Mitarbeiter selbst im Falle einer Kündigung kümmert. Zusätzlich lassen sich (kostspielige) Rechtsstreitigkeiten sowie (hohe) Abfindungen vermeiden.

Wie funktioniert ein Outplacement?

Zunächst einmal müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine einvernehmliche Basis schaffen, dass der Trennungsprozess durch ein Outplacement begleitet werden soll – gegen den Willen des zu entlassenen Arbeitnehmers macht eine Beratung keinen Sinn.

Die Wahl des Outplacementberaters

Auch hier muss Einigkeit herrschen: Der Arbeitgeber darf dem Betroffenen keinen Outplacementberater „aufdrücken“, denn eine Outplacementberatung wird nur dann erfolgreich sein, wenn der entlassene Mitarbeiter ein Vertrauensverhältnis zu dem Berater aufbauen kann. Es braucht also einen unbeteiligten Außenstehenden.

Als Outplacementberater eignen sich Personaldienstleister wie die Firma Hofmann Personal, die in der Personalvermittlung natürlich auf einen großen Fundus von zu besetzenden Stellen zurückgreifen können. Auch Unternehmensberater, Karriereberater und Anwälte haben sich teilweise auf das Aufgabenfeld Outplacement spezialisiert.

Wie läuft der Trennungsprozess ab?

Ein Trennungsmanagement läuft im Allgemeinen nach einem Schema von fünf Punkten ab:

  • Potenzialanalyse: Zunächst ist zu klären, in welchen Bereichen die Stärken und Schwächen des Betroffenen liegen.
  • Karriereberatung: Ist eine berufliche Neuorientierung, zum Beispiel Selbstständigkeit, sinnvoll? Oder soll der Bewerber in seiner Berufssparte bleiben?
  • Stellensuche: Der Markt wird sondiert nach geeigneten Stellenangeboten für die Mitarbeiter oder Führungskräfte
  • Selbstmarketing: Der Arbeitnehmer erhält ein Coaching von der Optimierung der Bewerbungsunterlagen bis hin zum Auftreten im Vorstellungsgespräch.
  • Jobvermittlung: Der Entlassene wird möglichst übergangslos in eine neue Stelle vermittelt.

Was kostet der Spaß?

Die Kosten für ein Outplacement differieren je nach Fall: Zum einen verlangen Outplacementberater unterschiedliche Honorare, zum anderen ist die Situation jedes Arbeitnehmers ganz individuell zu bewerten und nicht zuletzt spielt der Zeitaufwand eine erhebliche Rolle. Für die Kosten eines Outplacements sollten in etwa 20% des zu erwarteten Bruttolohnes kalkuliert werden. Für den Arbeitgeber kann sich die Beratung also finanziell schnell auszahlen, gerade wenn es sich bei den Mitarbeitern um hoch bezahlte Führungskräfte handelt.

Unter bestimmten Voraussetzungen das Newplacement unter Transfermaßnahmen (§ 110 SGB III). Hier werden aber lediglich Zuschüsse gewährt, wenn Kündigungen „aufgrund von Betriebsänderungen“ – in der Regel Schließung oder Zerschlagung des Betriebs mit Massenentlassungen – erfolgen. In diesem Fall bieten Arbeitgeber gerne ein Gruppenoutplacement an.

Weiteres Wissenswertes zu Outplacement bzw. Newplacement

Unterschied Outsourcing und Outplacement

Oftmals werden die Begriffe Outsourcing und Outplacement verwechselt, haben aber eine grundlegend andere Bedeutung: Ersteres ist dadurch gekennzeichnet, dass gewisse Abteilungen oder Arbeitsbereiche eines Unternehmen an einen externen Dienstleister abgegeben werden – in der Regel aus Kostengründen. Damit einher gehen dann meist auch betriebsbedingte Kündigungen.

Outplacement für jedermann?

Wenn der Kassierer vom Discounter oder der Fließbandarbeiter in der Produktion gekündigt wird, kommt kaum ein Chef daher und bietet dem Betroffenen eine Outplacementberatung an. Dieses Instrumentarium ist leider denjenigen vorbehalten, die in Führungspositionen o.ä. arbeiten und aufgrund höherer Qualifikationen sowieso wenig Schwierigkeiten haben, eine neue Tätigkeit zu finden.

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